One hundred and forty meters of new life: A hedge for birds, bats, and insects

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Hundertvierzig Meter neues Leben

nach Von Gisela Wiehe

[Scroll down for English translation]

Augnahme vom Autor

In den leergeräumten Agrarlandschaften fehlen Lebensräume und Nahrung für viele Tierarten. Mit einem großen Pflanzprojekt hat die Zen-Gemeinschaft ,,Akazienzendo in Berlin und Brandenburg” dem etwas entgegengesetzt. Ein Beitrag von Gisela Wiehe, Leiterin des Obersdorfer Zendo.

Akazienzendo Obersdorf, der kleine Zendo östlich von Berlin im Naturpark Märkische Schweiz, ist bequem mit der Regionalbahn zu erreichen. Nach nur 45 Bahnminuten ab Berlin ist man draußen auf dem Land. Im Herbst ziehen hier Wildgänse in schier endlosen Bahnen über den Himmel oder sammeln sich auf dem Obersdorfer See. Auf den Feldern rund um das Dorf tanzen Kraniche.

Seit 2014 gibt es hier die Möglichkeit, Zazen zu praktizieren. Meine Frau Charlotte Schmidt und ich laden wöchentlich zum gemeinsamen Meditieren ein. Jede und jeder Interessierte ist herzlich willkommen. Uber das Jahr verteilt werden hier kleinere Sesshins und Praxistage angeboten. An der Einfahrt zu unserem umschlossenen Hof in Obersdorf nicht zu verwechseln mit dem bekannteren Oberstdorf im Allgäu passieren Gäste und Teilnehmer:innen ein pinkfarbenes Schild mit der Aufschrift ,,Schweine brauchen Freunde”.

Dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegensetzen

Die Idee, eine große Hecke für Vögel zu pflanzen, kam uns im letzten kalten Januar, als eine Wacholderdrossel, Wintergast aus dem Norden, uns ihren großen Hunger zeigte. Eine Hagebutte nach der anderen verschwand im Schnabel des schönen Vogels, bis am Ende des Tages der ganze Wildrosenbusch auf unserem Hof abgeerntet war

Auf den ausgeräumten und pestizidbesprühten Flächen der Intensivlandwirtschaft finden Tiere keine Nahrung, keinen Schutz und keinen Lebensraum mehr. Dabei sind es vor allem Futtermittel für die Massentierhaltung, für die diese riesigen Flächen benötigt werden: 60 Prozent des europäischen Getreides landen in den Trögen von Schweinen, Hühnern und Rindern. Das Leiden der Tiere in den Mastbetrieben steht in direktem Zusammenhang mit dem Verschwinden der Arten auf den Feldern.

Alle Wesen sind Buddha

Alle Wesen als Buddha anzusehen und dies durch unser Leben auszudrücken–das ist die Praxis, um die wir uns als Buddhist:innen bemühen. Wenn ich die täglichen Nachrichten über das Artensterben und die dramatischen Folgen der Klimakrise höre, in die unser ausgrenzendes Denken uns geführt hat, denke ich oft: Wir haben kaum noch eine andere Wahl, als endlich dazu aufzuwachen: Alle Wesen sind Buddha.

Unser Vorschlag, ein neues Biotop für Vögel anzulegen, stieß in der Sangha sofort auf große Resonanz. Bernd Bender, der spirituelle Leiter von Akazienzendo e. V. in Berlin, übernahm die Organisation des Fundraising für den Kauf der Pflanzen. Ende November, am ersten kalten Tag des neuen Winters, wurden sie geliefert, und einen Tag lang stand unser Obersdorfer Hof voll mit kleinen Schlehen, Felsenbirnen, Ebereschen, Weißdorn, Holunder, Wildrosen, Weiden und weiteren heimischen Gehölzen. Neben Sangha-Mitgliedern kamen auch Freundinnen, Freunde und Familienangehörige, um zu helfen. Viele brachten eigene Spaten, Harken, Gießkannen und Schubkarren mit.

Das Pflanzen der Hecke war eine große Freude. ,,Es fühlt sich gut an, endlich etwas konkret zu bewegen”, sagten einige. Und andere: ,,Ich bin ganz beglückt.” Samu, das achtsame Arbeiten, so sagt man im Zen, ist eine Gelegenheit, freundlich zu den Dingen zu sein. Die Freundlichkeit und Umsicht, mit der sich alle engagierten, hat uns an diesem Tag beeindruckt.

Ein perfektes Wesen

Und dann stand sie einfach da, die neue Hecke, ein perfektes großes Wesen, bestehend aus vielen unterschiedlichen, perfekten Einzelgeschöpfen–hundertvierzig Meter lang und damit fast um die Hälfte länger als ursprünglich geplant.

Die ökologische Bedeutung von Feldhecken, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten in der Landschaft immer mehr verschwunden sind, kann kaum überschätzt werden. Tiere benutzen sie, um sich in ihrem Schutz fortzubewegen oder ihre Jungen aufzuziehen. Hecken bremsen den Wind, bewahren die Feuchtigkeit im Boden, bilden Miniklimazonen und Kleinstbiotope für unzählige Arten. In den Kernzonen von Hecken können Kröten überwintern, und von den Insekten, die durch die Blüten angezogen werden, profitieren Vögel, Fledermäuse und Spitzmäuse. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bedrohte Tierbestände sich erholen können, wenn sie wieder geeignete Bedingungen vorfinden.

Vor einem improvisierten Altar neben der neuen Hecke versammelten sich schließlich alle Helferinnen und Helfer zu einer Wohlergehenszeremonie und rezitierten gemeinsam das Metta Sutta. Bernd Bender rezitierte in der Weitergabe der Verdienste zum Wohle der Wesen:

Mögen wir uns der Verbundenheit allen Lebens bewusst werden, und möge die Erde genesen von den zahllosen Verletzungen, die wir ihr zufügen. Mögen die Tiere in den Schlachthäusern und die Wesen, deren Lebensraum wir schon genommen haben, frei von Leiden und in Frieden sein.

Greta Thunberg wurde in einem Interview einmal gefragt, was für sie Erfolg bedeute. Sie antwortete: Wenn wir sagen könnten, wir hätten alles getan, was wir können, um diese Erde zu rettendas sei für sie Erfolg.

Bitte lasst uns gemeinsam nicht aufhören, alles zu versuchen, um diesem wunderbaren Planeten und seiner großen Vielfalt zu helfen. 

© Gisela Wiehe 

Zuvor erschienen in Buddhismus Aktuell, Deutschen Buddhistischen Union, Munich, Deutschland. Nachdruck mit Genehmigung des Autors.

Bitte beachten Sie den degleitenden Artikel: Eine Ecke dieser Welterhellen


One hundred and forty meters of new life: A hedge for birds, bats, and insects

By Gisela Wiehe

Akazien Zendo Obersdorf, a small Zendo east of Berlin, located in the Märkische Schweiz Nature Park, is easily reached by regional train. After only 45 minutes by train from Berlin, you are out in the countryside. In the fall, wild geese migrate here in seemingly endless courses across the sky or gather on the Obersdorfer See lake. Cranes dance in the fields around the village.

Since 2014 zazen practice has been offered here. As a Soto Zen priest in the transmission lineage of Shunryu Suzuki Roshi, I, along with my wife Charlotte Schmidt, invite people weekly to zazen. Everyone who is interested is welcome. Smaller sesshins and practice days are offered here throughout the year. On the driveway to the enclosed Obersdorfer Hof (not to be confused with the better known Oberstdorf in the Allgäu), guests and participants pass a pink sign that reads “Pigs need friends.”

The idea to plant a large hedge for birds came to us …when a juniper thrush…showed us its great hunger.

The idea to plant a large hedge for birds came to us during the last cold January, when a juniper thrush, winter guest from the north, showed us its great hunger. One rosehip after another disappeared in the beak of the beautiful bird, until by the end of the day the whole wild rose bush on our farm was harvested. 

On the cleared and pesticide-sprayed areas of intensive agriculture, animals no longer find food. No shelter and no habitat. Yet these huge areas of land are needed primarily for fodder for factory farming. It is said that 60 percent of the grain in Europe ends up in the troughs of pigs, chickens, and cattle. The suffering of the animals at the fattening farms is directly related to the disappearance of the species in the fields. 

All beings are Buddha

Seeing all beings as Buddha and expressing this through our lives is the practice we strive for as Buddhists. Often I think, given the daily news about the dramatic consequences of the climate crisis which our exclusionary thinking has led us to, we have little choice but to finally wake up to this: all beings are Buddha. 

The hedge idea immediately met with great response in the Sangha. Bernd Bender, the spiritual guide of Akazien Zendo, took over the organization of the fundraising for the purchase of the plants. 

On November 27, the first cold day of the new winter, the Obersdorfer Hof was filled with small sloes, rock pears, rowan, hawthorn, elder, wild roses, willows, and other native woody plants that the nursery had delivered the day before. Sangha members were joined by friends and family, many bringing their own tools, spades, rakes, watering cans, and wheelbarrows. 

An opportunity to be kind to things

Planting the hedge was a joy, according to the general response. Teams were formed, and thanks to good preparation, everyone knew what to do. “It feels good to finally make a concrete difference,” and “I’m quite delighted,” were heard in between. Samu (as mindful work is called in Zen), is an opportunity to be kind to things, it is sometimes said. And the kindness and energy with which the planters and kitchen team carried this day was impressive. And then it just stood there, the new hedge, a perfect large creature made up of many different perfect individual creatures; one hundred and forty meters long, almost one-half longer than originally planned. 

The ecological importance of field hedges…can hardly be overestimated.

The ecological importance of field hedges, as they have increasingly disappeared from the landscape in recent decades, can hardly be overestimated. Animals use them to move around or raise their young in their protection, hedges slow down the wind, they locally preserve moisture in the soil, they form mini-climatic zones and micro-biotopes for countless species. Toads can hibernate in the core zones of hedgerows, and birds, bats and shrews benefit from the insects attracted by the flowers….

And studies show that threatened populations can recover when conditions return. 

Finally, in front of an improvised altar next to the new hedge, all the helpers gathered for a well-being ceremony and recited the Metta Sutta together. “May this hedge thrive and grow. May it provide food and shelter for many creatures,” we prayed.

“May we become aware of the interconnectedness of all life and may the earth recover from the countless injuries we inflict upon her. May the animals in the slaughterhouses and the beings whose habitat we have already taken be free from suffering and at peace,” recited Bernd Bender, transferring the merits of our work for the benefit of all beings. 

When Greta Thunberg was asked in an interview what success meant to her, she answered: If we can say we have done everything we can to save this earth, that is success. 

Together, please let’s not stop trying to do everything we can to help this wonderful planet in its great diversity.

© Gisela Wiehe 

Previously published in German in Buddhismus Aktuell, Deutschen Buddhistischen Union, Munich, Germany. Reprinted by permission of the author. Translation by the author.

Please see companion article: Shining one corner of the world


Gisela Wiehe has been a Zen practitioner since the 1980s, initially in the lineage of Taisen Deshimaru. In 2013 she joined Akazienzendo in Berlin and held various practice positions there, including shuso and being a board member. In 2019 she was ordained by Bernd Bender as a priest in the lineage of Shunryu Suzuki. She is the resident priest of Akazienzendo Obersdorf in the countryside outside of Berlin and one of her interests is raising the visibility and support of women in the Zen tradition.

 Gisela Wiehe ist Zen-Übende seit Mitte der 80er Jahre, zunächst in der Linie von Taisen Deshimaru. 2013 kam sie zum Akazienzendo e.V. in Berlin und hatte dort verschiedene Praxispositionen inne, darunter als Shuso und 1. Vorsitzende des Vereins. 2019 wurde sie von Bernd Bender als Priesterin in der Übertragungslinie von Shunryu Suzuki ordiniert. Sie ist Leiterin von Akazienzendo Obersdorf in der Märkischen Schweiz und engagiert sich innerhalb des Vereins für die Sichtbarkeit und Unterstützung von Frauen in der Zen-Tradition.

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